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Fußnoten aus dem späten 21. Jahrhundert - Musiktheater im Revier

Musiktheater Kleines Haus, Gelsenkirchen

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Ein ganz gewöhnliches Großraumbüro in einer ganz gewöhnlichen Verwaltung an einem ganz gewöhnlichen Ort. Irgendwann am Ende dieses Jahrhunderts. Überall fleißige Menschen. Sie tippen, sie heften, sie tackern, sie kopieren, sie ärgern sich über die zu kleinen Kaffeetassen. Alles wirkt normal in der Behörde, wäre da nicht dieser seltsame ozeanblaue Fleck an der Wand, der sich fast unmerklich ausbreitet, oder das paranormale Phänomen, das fast im Vorbeigehen die Wunden des Büroalltags aufreißt. Es gibt Anzeichen für das Unheil, das die Welt draußen in Stücke reißt. Die Demokratie ist am Ende, diverse Spezies sind bereits ausgestorben. Doch egal wie rissig die Wände, egal welche Tiere vor dem Drucker angespült werden: fröhlich lebt die Bürokratie in (vermeintlich) stabiler Sicherheit hinter den Verwaltungsmauern und lässt all den zwischenmenschlichen Ärger zu, den es so nur zwischen Bürokolleg*innen gibt.
Die vielfach prämierte Autorin Svealena Kutschke wurde für ihr ausgesprochen kluges und tiefsinnig-humorvolles „Fußnoten aus dem späten 21. Jahrhundert“ mit dem FIDENA Stückepreis ausgezeichnet, der im Rahmen des Heidelberger Stückemarkts erstmals vergeben wurde. Mit der Uraufführung der Fassung für Puppentheater in Gelsenkirchen erforscht Regisseur Pablo Lawall mit dem MiR Puppentheater die außergewöhnlichen Chancen, die im Aufeinandertreffen von Neuer Dramatik und Figurenspiel zum Ausdruck kommen können, und fragt dabei auch nach unserer Zukunft im Licht von Klimakatastrophe und Demokratiekrise.
In der Laudatio des FIDENA Stückepreis des 42. Heidelberger Stückemarkts heißt es:
„Svealena Kutschke schafft es mit erstaunlichem Humor und Leichtigkeit ein dystopisches Zukunftsszenario zu entwerfen, in dem die düsteren Prognosen unserer Gegenwart Realität geworden sind. Die Klimakatastrophe stürzt die Welt ins Chaos, reißt Tier und Mensch ins Verderben und lässt die Demokratie in die Brüche gehen. Stabil bleibt da nur die Bürokratie, der Ärger mit dem Druckerpapier und die alltäglichen, allzu menschlichen Verwicklungen zwischen den Kolleg*innen.
Ein toter Walfisch wird angespült, ein sich ausweitender Wasserfleck in Form einer Deutschlandkarte beansprucht immer mehr Platz in den Büroräumen, draußen vor dem Fenster zeigen von der Sturmflut mitgerissene Kühlschränke, kleine Tiere und Toaster ihre bedrohliche Präsenz. All das bietet eine reiche Spielfläche für das Puppen- und Objekttheater.
Dieser kluge, wache und scharfsinnige Text hat uns zum Lachen gebracht über Dinge, die zu bedrohlich, zu monströs und zu traurig sind, um darüber zu weinen. Und auch, wenn Humor die Menschheit vielleicht nicht retten kann, so bietet er doch ein wenig Zuflucht vor der Verzweiflung. Wir freuen uns, Svealena Kutschke mit dem ersten FIDENA Stückepreis auszeichnen zu dürfen. Herzlichen Glückwunsch!“

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